Es wird geklaut wie die Raben
Auf einmal fallen sie auf, die weißen Zettel im öffentlichen Raum. Auch in den sozialen Netzwerken werden die Nachfragen immer mehr: „Wer hat mein Fahrrad gesehen, mein Auto, mein Wohnanhänger, mein Boot?“ Alles was rumsteht, glauben wohl manche Menschen, ist einfach zum Mitnehmen da.
So fiel mir in Zollstock ein Aushang auf „Du hast einen Säugling bestohlen“, hier hat ein Dieb eine Fahrradanhängerstange abgeschraubt. Auch der Aufruf von Martina Köllner vor ihrer Apotheke in Rodenkirchen blieb von mir nicht ungesehen. Ein Langfinger musste sich an ihrem Fahrrad-Sattel bereichern. Sie steht den ganzen Tag in der Apotheke, zu Corona oft bis zur persönlichen Erschöpfung und dann das: Die abendliche Erholungs-Heimfahrt mit dem Rad ist durch einen Diebstahl unmöglich. Hemmungslos hat sich der Langfinger direkt vor ihrem eigenen Schaufenster bedient. Entsetzt hat mich auch ein Aushang am Friedhof von Michaelshoven, dort haben skrupellose Diebe die Bank am Kindergrabfeld entwendet. Auch der Aushang „Es war mein Geburtstagsgeschenk“ am Sürther Bahnhof von einem Teenager stimmt mich nachdenklich. Am Kinderhaus in Bayenthal schreibt ein Kind: „Hier ist doch kein Selbstbedienungsladen, warum Du hast uns den Kinderwagen geklaut?“ Höflich wird sogar darauf hingewiesen, dass es hier eine Hilfsaktion gibt: „Du brauchst etwas für Dein Kind? Wir helfen gerne. Die Krabbelgruppe“.
Jeder Diebstahl macht wütend, mancher Besitzer ist noch nicht mal versichert. Mit Jugendstreichen hat das alles nichts mehr zu tun, das ist vorsätzlicher Diebstahl. „Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Auch der Versuch ist strafbar“ – so steht es im Strafgesetzbuch. Das geht natürlich nur, wenn die Diebe auch erwischt werden. Darum: Augen auf und Zivilcourage zeigen, damit diese Taten nicht Normalität werden