Der Karvalszug in Sürth

Fotos Ellie Wijman

Angefangen – und gefühlt schon vorbei. So präsentierte sich in diesem Jahr der Sürther Karnevalszug: Nach kaum mehr als einer halben Stunde war der kleine Vorortszoch bereits zu Ende. Mit rund 600 Jecken und 27 Gruppen, die pünktlich um 11.11 Uhr durch die Straßen zogen, fehlten über 400 Teilnehmer im Vergleich zum Vorjahr. Ein spürbarer Rückgang, der sich vor allem dadurch erklärte, dass sich einige Gruppen diesmal für die Züge in Rodenkirchen und Weiß entschieden hatten.

Trotz der geringeren Größe blieb die Stimmung fröhlich, kindgerecht und bemerkenswert inklusionsorientiert. Sürth punktet mit viel Platz, Barrierefreiheit und guter Anbindung – beste Voraussetzungen für ein Miteinander, das man entlang der Strecke deutlich spüren konnte. Besonders die vielen kleinen Karnevalisten hatten sichtlich Spaß, sowohl am Wegesrand als auch im Zug selbst.

Ein berührender Höhepunkt war die Kindertagesstätte „Miteinander leben“ vom Sürther Markt. Als kleine Gärtner verkleidet, verteilten die Kinder mit großer Begeisterung ihre Süßigkeiten und zeigten, wie selbstverständlich Integration im Karneval gelebt werden kann. Es war ein schönes Bild: fröhliche Gesichter, helfende Hände und eine Lebensfreude, die viele Besucher tief im Herzen berührte.

Auch Maikönigin Emma, traditionell auf dem Wagen der Sürther Dorfgemeinschaft, strahlte mit der Wintersonne um die Wette. Vielen Zaungästen ist sie durch ihre offene, zugewandte Art bekannt – und genau diese Herzlichkeit brachte sie auch im Zug zum Ausdruck.

Mit beachtlicher Präsenz zeigte sich zudem die Kindergruppe der KG Löstige Flägelskappe, die erst vor drei Jahren gegründet wurde. Auch hier wird Inklusion großgeschrieben und ganz selbstverständlich gelebt – ein ermutigendes Zeichen für die Zukunft des Veedelskarnevals.

Natürlich bereicherten auch reine Erwachsenengruppen den Zug und sorgten mit unzähligen Strüßjer dafür, dass keine Frau ohne blumigen Gruß nach Hause gehen musste. Für närrischen Glanz sorgte außerdem das Dreigestirn der Altgemeinde Rodenkirchen – Prinz André I., Bauer Alex und Jungfrau Tanja. Strahlend standen sie auf ihrem Wagen und warfen mit sichtlicher Freude ihre Süßwaren ins jecke Volk.

So bleibt ein ambivalenter Eindruck: kleiner als gewohnt, aber keineswegs ärmer an Herz. Der Sürther Zug hat in diesem Jahr gezeigt, dass Größe allein nicht über Bedeutung entscheidet. Vielleicht liegt gerade in seiner Überschaubarkeit die Chance, das familiäre, inklusive und zugewandte Miteinander weiter zu stärken – damit der Zug in Zukunft wieder wächst, ohne seinen besonderen Charakter zu verlieren.