Hariett Drack – Mörder unter uns: Der Live Crime Talk im Kölner Schwurgericht

Das Echo der Tat: Ein Abend über die Abgründe und das „Warum“

Im Kölner Süden scheint die Welt meist in Ordnung. Es ist diese friedliche Beständigkeit unseres Veedels, die wir so mögen. Doch manchmal lohnt es sich, den Blick über die Grenzen des Veedels zu wagen, um das menschliche Miteinander in seiner ganzen Kompliziertheit zu verstehen. Gestern führte mich mein Weg daher direkt in das Herz der Kölner Justiz: In den berühmten Schwurgerichtssaal des Landgerichts an der Luxemburger Straße.

Der Saal war sehr gut gefüllt, doch die Stimmung war anders als bei einem gewöhnlichen Prozess. Wo sonst Urteile „im Namen des Volkes“ gesprochen werden, luden die renommierte Gerichtsreporterin Hariett Drack und der Vorsitzende Richter am Landgericht in Köln und Honorarprofessor an der Universität zu Köln, Prof. Dr. Jan Orth zu einem „Crime Talk“ der besonderen Art ein. Unter dem Titel „Mörder unter uns“, dem Titel des neuen Buchs von Hariett Drack im Heyne-Verlag, öffneten sie ein Fenster zu den dunklen Winkeln der menschlichen Seele.

Prof. Dr. Orth erläutert vorweg für den Laien die übliche Sitzverteilung im Saal, etwa das die Staatsanwaltschaft und nicht der Angeklagte und seine Verteidiger in Köln vor dem Fenster sitzt, weil dies schon einmal einen Ausbruch durch einen beherzten Sprung eines Angeklagten durchs Fenster möglich gemacht hatte. Dann wurde es spannend und sehr ruhg im Saal, denn alle wollten hören, was in so einem Saal passiert. 

Es war eine hochinteressante Stunde des intensiven Zuhörens und Verarbeitens. Hariett Drack, die vier Jahrzehnte lang die heftigsten Prozesse Kölns begleitete, hatte einen Fall – einen narzisstisch geprägten Racheplot eines Patienten gegen seine Therapeutin – aus ihrem neuen Buch ausgewählt, den sie teils lesend, teils im Dialog mit Prof. Dr. Orth nicht mit dem kühlen Blick der Aktenlage, sondern mit der präzisen Empathie einer Beobachterin, die hinter die Fassade der Taten blickt, erörterte, um das „Warum“ einzukreisen. Es ging nicht darum, mit Erstaunen auf ein Verbrechen zu schauen, sondern um die Frage, hätte mehr Aufmerksamkeit der – vielleicht auch nur am Rande Beteiligten – die Tragödie verhindern können? Ausführlich, sachlich und empatisch für die Zuhörer wurde der Fall besprochen. 

Die Veranstaltung gab Einblicke in die Psyche von Tätern, ohne das Opfer zu vergessen. Es konnten und wurden Fragen gestellt, die sich auch um das Verfahren in einem solchen Prozess rankten. Die Fragen zeigten ein starkes Interesse daran, wie das Opfer im Verfahren auftrat und ihr Leben nach der Tat fortsetzen konnte. Fazit war: Ein interessanter Abend mit tiefen Einblicken in einer ungewöhnlichen Umgebung.

So war die Signierstunde auch weiter mit Themen zu Taten und Verfahren für alle eine Bereicherung.